Reiseberichte Rad on Tour

Auf dem Fahrrad durch Nordvietnam und Nordlaos 

Auf dieser Seite findet ihr unsere diesjährige Radtour in Whats-App-Form. Täglich berichtete ich über unser Vorankommen an unsere Freunde, Bekannte und Verwandte Zuhaus. So waren immer alle genau informiert wo wir uns gerade aufhielten. Der Text ist wie ein kleines Tagebuch aufgebaut und sehr interessant. Darum dachten Romain und ich uns, dass wir den Bericht auch sehr gut auf unserer Homepage veröffentlichen könnten. Gesagt getan…hier könnt ihr lesen was wir in vier Wochen im Januar und Februar erlebt haben. In Kürze werden auch die entsprechenden Bilder hochgeladen und im Mai könnt ihr unsere Filmvorträge in Kellenhusen im Kursaal und in Lensterstrand im Spielecafé „Deichhaus“ ansehen….

 

‎15.01.18 um 09:27 – Carmen Behnke: Moin ihr Lieben, Wir befinden uns jetzt auf dem Weg zum Flughafen Hamburg mit unseren Rädern. Morgen kommen wir in Hanoi an. Wenn ihr mögt könnt ihr in dieser Gruppe unsere Radroute verfolgen während der kommenden vier Wochen. Alles Liebe…wünschen euch Carmen und Romain

16.01.18um 14:14 – Carmen Behnke: Es ist hier übrigens sechs Stunden später als bei euch. Übermorgen ist geplant auf dem Rad die Stadt zu verlassen…ich bin mir unsicher ob das klappt…hier hat jeder Vorfahrt und alle gleichzeitig. Es ist scheinbar auch nicht nötig sich auf seinen Fahrstreifen zu beschränken. Hier geht irgendwie alles

17.01.18um 11:06 – Carmen Behnke: Huhu aus Hanoi, heute morgen haben wir eine Tour durch die Altstadt und das Marktviertel zu Fuß unternommen. Mein Kopf hat ganz ordentlich was zu verarbeiten. Die Gerüche sind häufig sehr penetrant. Die Tiere die auf dem Markt zum Verkauf angeboten werden sind oft ganz erbärmliche Kreaturen, fest verzurrt oder in engsten Käfigen vegetieren Kröten, Hühner und Co. Auch Fische aller Art findet man in kleinen Schüsseln. Ich bin mir sicher, diese Reise wird vegetarisch. Heute Nachmittag sind wir trotz meines Protestes mit unseren Rädern los. Regierungsviertel, roter Fluss und die Vorstadtgärten unten am Fluss wurden erkundet. Und…ich hätte es nicht für Möglich gehalten, man fährt einfach selbstbewusst mit oder eben wenn nötig auch mal gegen den Rollerfluss. Das Hupkonzert muss man einfach versuchen auszublenden. Morgen werden wir die Stadt vermutlich in westliche Richtung verlassen. Genaue Pläne werden wir gleich mal schmieden. Allen zuhause Liebe Grüße aus dem feuchtwarmen Hanoi Carmen und Romain

‎18.01.18 um 14:18 – Carmen Behnke: Hallo aus Hoa Binh. Wir sind nach einer fürchterlichen Nacht (ordentliche Bauchkrämpfe…wie es sie meist auf Reisen erstmal gibt…und laute Zimmernachbarn) gegen halb elf aufgebrochen durch den dichten Verkehr raus aus der Hauptstadt. Das war der Wahnsinn. Wir haben heute zum ersten Mal in einem Rollerstau gestanden. Die Hupkonzerte haben uns förmlich erschlagen. Der Weg stadtauswärts zog sich und der Gestank war entsetzlich. Irgendwann wurde es etwas ruhiger und es tauchten die ersten Berge auf. Gegen 17 Uhr erreichten wir unser Tagesziel und fanden ein schönes und günstiges Hotelzimmer direkt am „Song Da“ schwarzer Fluss. Dieses Städtchen Hoa Binh war uns sofort sympathisch. Morgen geht’s tiefer in die Berge…mal sehen wie weit wir kommen. Wir wünschen euch viel Spaß beim Lesen und Bilder ansehen. Leider ohne Geräusche und Gerüche.

‎19.01.18 um 14:42 – Carmen Behnke: Moin aus Mai Chau. Heute hatten wir eine harte Strecke mit vielen Steigungen und Pässen. Aber das Wetter spielte gut mit und so hatten wir teilweise gute dreißig Grad…manchmal eine angenehme Brise und auch eine schöne Aussicht auf viele Reisterrassen, Obstplantagen und Zuckerrohrfelder. Aber ich bin nun ordentlich verbrannt. Hier gibt es wenig Arbeitstiere. Es beschränkt sich eigentlich auf den Wasserbüffel und die menschliche Arbeitskraft. Es gibt hier keine Traktoren. Es wird eigentlich alles auf dem Motorroller transportiert. Ganze Familien inklusive Großeinkauf finden bequem darauf Platz. Auch als Viehtransporter ist das Gerät unschlagbar. Drei ausgewachsene Schweine waren festgezurrt auf dem Gepäckträger und zwischen den Beinen des Fahrers fand noch ein Käfig mit einer ganzen Hühnerfamilie Platz. Heute morgen stadtauswärts hat hinter mir an der Ampel ein Roller mit zwei Mädels eine Vollbremsung hingelegt. Ich vermute sie haben nicht gesehen dass die Ampel rot war. Sie kippten um und rutschten zum Glück knapp an mir vorbei. Da hätte nicht viel gefehlt. Unterwegs hat Romain noch einen Sturz gedreht weil er vergessen hatte dass er Klickpedalen hatte. Es ist aber außer einer Prellung an der Hand und einer Schürfwunde am Knie alles gutgegangen. Leider hat sein Vorderrad nun eine leichte Acht. Aber wir sind jetzt mitten in den Bergen und wir merken dass wir heute gearbeitet haben. Wir wünschen euch aus dem kleinen schönen Städtchen Liebe Grüße…

‎20.01.18 um 12:14 – Carmen Behnke: Hallo ihr Lieben, heute sind wir zeitig gestartet und hatten eine harte Tour. Die ersten 20 bis 30 Kilometer ging es erstmal bergauf mit 7 bis 10 Prozent Steigung. Danach mal rauf mal runter. Das Wetter war sehr angenehm und wir befinden uns jetzt auf gut 1000 Metern Höhe. Wir haben unterwegs viele Menschen in traditioneller Tracht gesehen. Hier leben viele Bergvölker. Die Menschen hier in Vietnam sind sehr sympathisch. Die Kinder und Jugendlichen grüßen häufig mit einem freudigen „hello“. Die Erwachsenen lächeln häufig oder winken. Unterhaltungen sind jedoch schwierig. Zum Glück haben wir unser „ohne Wörter Buch“ dabei. Es besteht aus Bildern von Dingen die jeder Mensch benötigt. So zeigen wir einfach was wir möchten. Das ist eine gute Sache und für alle lustig. Heute scheint ein besonderer Tag zu sein. In vielen Orten wurde gefeiert und eine Menge Schweine wurden heute geschlachtet. Jetzt sitzen wir in einem Restaurant und bekommen gleich unser wohlverdientes Abendessen. Mein Po ist wund, meine Beine müde und mein Sonnenbrand ist richtig fies. Morgen geht es weiter hoffentlich nicht ganz so steil. Wenn wir morgen bis Son La kommen würden wir gerne einen Tag pausieren um Wäsche zu waschen und einmal auszuruhen.

21.1.18 um 14:23 – Carmen Behnke: Guten Abend aus Son La. Nach guten 120 Kilometern sind wir völlig erledigt angekommen. Die gestrige Unterkunft war nicht so toll. Alles war eher dreckig und da freue ich mich dass ich Isomatte, Seidensack, aufblasbares Kissen und Schlafsack dabei habe. Bei den Matratzen stelle ich mir allgemein die Frage ob die mit Bauschaum gefüllt sind. Ich schlafe gerne hart aber das ist wirklich extrem. Die Einheimischen schlafen auf dem Boden auf einer Bastmatte. Häufig essen sie auch auf dem Boden. Unsere Tour starteten wir heute sehr zeitig…wir wollten ja weit kommen. Erst einmal ging es ungefähr 30 Kilometer bergab. Das war schön und es gab viel zu sehen. Verließen wir doch gerade die Milch- und Teegegend so kamen wir umgehend in die Gemüse- und Obstkammer Vietnams. Häufig sahen wir die traditionellen Pfahlbauten der Einheimischen. Durch das ein – oder andere Dörfchen ging es dann leider wieder ordentlich Bergauf. Die Steigungen hatten es wirklich in sich. Mein Thermometer zeigte 36 Grad Außentemperatur. Wir sehen aus wie die Krebse trotz Sonnencreme. Und Wasser haben wir heute reichlich benötigt. Die letzten Kilometer ging es durch kleinere Vororte bis wir in diese relativ große Stadt kamen. Hier werden wir zwei Nächte verbringen um Kraft zu schöpfen, den Po zu salben, die Wäsche zu waschen und eine Massage zu nehmen. Übermorgen geht es weiter.
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22.01.18 um 15:54 – Carmen Behnke: Guten Abend aus Son La. Den heutigen Tag haben wir uns ausgeruht und uns die Stadt etwas angesehen. Vor gut 20 Jahren lebten hier nur die Bergvölker. Erst in den vergangenen Jahren ist diese Stadt entstanden und hat darum auch nichts historisches aufzuweisen. Hier wird an allen Ecken gebaut. Häufig mit der Hand und auf Bambusgerüsten. Die Schubkarre wird auf dem Motorroller mit zur Baustelle genommen. Dort trägt man Gummistiefel oder Badelatschen. Mit viel Glück ein paar Turnschuhe. Ich hatte heute viel Kopfstress um all diese Eindrücke zu verarbeiten. Es sind diese extremen Gegensätze. Gleichzeitig bedienen die Leute das neuste Handy, andererseits sitzen sie auf der Straße und spülen ihr Geschirr oder waschen die Wäsche in Schüsseln am Rinnstein. Außerdem waren wir heute auf dem Markt und dort gehe ich gerne durch die große Auswahl an Gemüseständen und Obstständen. Die Fischstände gehen gerade noch so obwohl es wirklich hart ist. Aber in die Fleischabteilung will mein Kopf nicht. Da bleibe ich draußen stehen. Das ist mir einfach zu viel Tod auf einmal. Wir haben früher auch selbst geschlachtet aber diese Mengen und diese Vielfalt ertrage ich nicht. Bei uns wird man damit nie konfrontiert. Es sind ja noch viel größere Mengen in den Massentierhaltungen aber das geschieht ja alles still und steril für uns unzugänglich. Da macht sich niemand einen Kopf. Tja und dann lag da der gegrillte Hund in Stücken auf dem Tisch zum Verkauf. Ich hatte es ja schon überall gelesen. Das Wort für Hund haben sie aus der französischen Besatzungszeit übernommen. Man findet ihn auf vielen Speisekarten. Ratten hatte ich bereits vor ein paar Tagen gesehen. Tja, heute war harte Kost. Aber auch das wollte ich euch nicht vorenthalten. Vielleicht ist es wichtig so etwas mal zu sehen und dann für sich zu entscheiden dass es Lebewesen sind. Mir war es hier heute schon zu viel davon. Aber jetzt haben wir unsere weitere Tour geplant und alles gepackt. Außerdem hatte ich heute Handwäsche in größeren Mengen. Morgen geht es dann frisch, sauber und ausgeschlafen nach Tian Ciao. Das liegt ca. 85 Kilometer von hier und dann ist es nicht mehr weit bis Laos. Ich hoffe ihr seid nicht zu enttäuscht dass ich euch heute mal eher die harte Realität von hier mitgeteilt habe. Alles Liebe eure Carmen

23.01.18 um 14:38 – Carmen Behnke: Hallo, heute war wieder ein harter Tag. Die ersten 30 Kilometer waren eintönig. Überall an der Straße zogen sich Häuser und einfache Hütten ohne große Abwechselung. Mal ging es hoch mal runter. Wir dümpelten immer so zwischen 600 und 800 Höhenmetern. Aber dann ging es über einen großen Pass. Wir kämpften uns auf über 1500 Meter hoch und das in der Mittagshitze. Aber die Aussicht wurde schöner. Traurig stimmt mich der Umgang mit dem so genannten Nutztier. Überall trafen wir unterwegs Tiertransporte. Mal auf dem Roller mal im LKW. Auf der gesamten Strecke waren immer wieder Verkaufstische mit Fleisch aufgestellt. Teilweise lagen die Tiere lebendig zusammen gezurrt in den Straßen. Für mein Gemüt ist gerade dieses Thema kein Spaziergang. Aber trotzdem gab es heute auch schöne Dinge zu sehen. So haben wir nach rasanter Abfahrt Richtung Stadt schöne Aufnahmen von den Reisterrassen machen können. Auch habe ich heute endlich die Möglichkeit gehabt eine Wasserbüffelfamilie zu fotografieren. Insgesamt sind wir heute gute 80 Kilometer gefahren und hatten Spitzentemperaturen von fast 40 Grad. Jetzt befinden wir uns kurz vor der laotischen Grenze. Morgen erreichen wir voraussichtlich die Grenzstadt. Dort müssen wir Passbilder anfertigen lassen und ein Visum beantragen. Alles Liebe von hier

24.01.18 um 13:16 – Carmen Behnke: Moin, moin ihr Lieben, heute hatten wir eine tolle und abwechslungsreiche Tour. Wir starteten rechtzeitig im Nebel. Wir kamen an vielen Reisfeldern mit Arbeiterinnen vorbei. Außerdem sahen wir viele Pfahlbauten von verschiedenen Bergvölkern. Häufig wird man schüchtern angesehen bis ein schüchternes Lächeln auf den Gesichtern erscheint. Die Kinder sind viel freier und probieren sofort mal ein Hello, whats your name oder bye bye aus. Häufig wird uns auch gewunken. Eine ältere Dame beim Bäcker heute morgen sprach mit uns einfach drauflos. Mit Händen und Füssen. Sie wollte wissen woher und wohin die Reise geht. Das war richtig schön. Oft ist man kommunikativ eher isoliert. Heute Abend beim Einkaufen kam die Verkäuferin auf mich zu und betrachtete mich. Dann fing sie an zu lächeln, griff erst sich kichernd an die Brust, dann mir….wies auf meine kurzen Haare und dann auf Romains lange Haare…das muss für die Leute hier völlig verkehrte Welt sein. Mann mit langem Haar…Frau mit kurzem Haar und so gekleidet, dass ihr erst beim zweiten Blick auffiel dass ich weiblich bin. Anschließend haben alle drumherum gelacht. Das sind tolle Momente. Heute sind wir in der Grenzstadt 30 Kilometer vor Laos angekommen. Hier bleiben wir zwei Nächte. Wir benötigen Passbilder für unser Visum, die werden wir morgen anfertigen lassen. Außerdem wollen wir das Kriegsmuseum besichtigen. Die Stadt macht einen schönen Eindruck und ich freue mich auf morgen. Alles Liebe 😚

‎25.01.18 um 11:19 – Carmen Behnke: Hallo aus Dien Bien Phu. Heute haben wir ganz wie richtige Touristen eine Sightseeing Tour durch dieses schöne und geschichtsträchtige Städtchen unternommen. Diese Stadt befindet sich im Aufbruch. Überall wird gebaut und verschönert wenn auch immer noch in Badelatschen. Häufig sind die Straßenbauer noch Kinder von 14 oder 15 Jahren. Heute morgen trafen wir auf der Suche nach einem Fotografen auf einen Holländer und eine Koreanerin. Gemeinsam fanden wir einen Copy Shop. Dort wurden jedoch keine Bilder angefertigt aber ein netter Kunde nahm uns sofort in seinem Auto mit und brachte uns zum Fotografen. Jetzt haben wir Fotos für unser Visum um nach Laos einzureisen. Das Visum müssen wir morgen an der Grenze beantragen. Heute Nachmittag unternahmen wir eine Denkmaltour mit unseren Rädern und trafen dabei zwei junge Französinnen. Hier zahlt man übrigens mit Dong 1 Euro liegt ungefähr bei 27 000 Dong. Wenn wir morgen Laos betreten zahlen wir mit Kip. Wie der Kurs dort sein wird sage ich euch morgen. Sicherheitshalber haben wir noch Dollar im Portemonnaie. Die gehen überall. Euros kennt hier niemand. Achja…Waschtag hatte ich heute auch wieder. Da wir jeder nur 3 Unterhosen, 2 Oberhemden, 2 Paar Socken, eine kurze und eine lange Hose, eine Radlerhose in lang und eine in kurz, ein Radlershirt und zwei langärmelige Funktionsshirts dabei haben muss man alle 2 bis 3 Tage schrubben und sehen, dass alles schnell trocknet. Gewaschen wird sich selbst(Körper und Haare) und die Wäsche auch mit einem normalen Stück Seife. Das hält lange, gibt’s überall zu kaufen und ist problemlos transportabel. So, das waren genug Informationen für heute. Alles Liebe 😘

26.01.18 um 15:21 – Carmen Behnke: Guten Abend aus Muang Khoua in Laos, heute hatten wir den längsten Tag der Route…unverhofft. Morgens halb Acht ging’s im Nebel durch das Vorstadtgetümmel den Reisfeldern entgegen. Erst war die Straße noch ganz gut und relativ flach. Irgendwann wurde die Strecke zur Buckelpiste. Ständig kamen LKWs voll beladen mit Kies aus dem Bergbau. Es wurde immer steiler und die Strecke war so staubig. Irgendwann kamen wir an der Stelle vorbei wo die LKWs beladen wurden. Danach war die Straße viel besser und es war weniger staubig. Kurz vor Mittag erreichten wir auf 1300 Metern den ersten Grenzpunkt…pünktlich zur Mittagspause. Nach eineinhalb Stunden war die Pause beendet und wir checkten problemlos in Vietnam aus. Es ging weitere vier Kilometer bergauf zum nächsten Grenzposten. Dort mussten wir für 60 Dollar zwei Visa kaufen und Dollar in Kip umtauschen(1Euro sind 10000 Kip) und Schmiergeld haben die Beamten ungefähr 10 Euro in die Tasche gesteckt. Sie fanden immer wieder etwas zum Kassieren. Das Geld wanderte direkt in deren Hosentasche. Dann waren wir durch. Erstmal ging’s gut bergab. Nun kam der zweite Pass…nochmal auf gut 1100 Meter hoch. Wir sahen viele Urvölker in ganz kleinen Hütten. Die Kinder liefen mit uns mit und schoben sogar unsere Räder an. Zur Begrüßung riefen sie immer Sabaidee das heißt Hallo. Das war so süß. Oben angekommen wurde es bereits dunkel. Wir hätten nicht gedacht dass die Strecke so lang wäre. Aber wir mussten weiter. Es ging irgendwann bergab und nur ganz selten standen nochmal ein paar Hütten. Es war inzwischen stockfinster. Und wir hörten so viele Tierstimmen. Langsam waren wir mit unserer Kraft am Ende. Aber um halb Acht kamen wir endlich an. Wir haben hier ein ganz schönes Zimmer gefunden. Es ist so viel ruhiger als in Vietnam und hier sind viele Franzosen im Urlaub. Für heute ist Feierabend. Meine Beine sind fertig und mein Po auch. Aber die Matratze ist schööööön weich. Ich wünsche euch wieder viel Spaß beim Schmökern. Morgen kommen genauere Informationen zu Laos. Gute Nacht…

27.01.18 um 12:16 – Carmen Behnke: Sabaidee alle zusammen, heute hatten wir einen Tag Pause in diesem kleinen Dörfchen und hatten Gelegenheit uns ein wenig umzuschauen. In Laos gibt es viele Völker die oben in den Bergen völlig abseits jeglicher Zivilisation sogar mit eigenen Sprachen leben. Zwischendurch ist immer wieder Dschungel. Laos ist wenig besiedelt und die Menschen sind arm. Der Schulweg ist häufig sehr weit und längst nicht alle Kinder besuchen die Schule. Viele auch nur für kurze Zeit. Trotzdem sieht man hier wie die Erwachsenen die Kinder lieben. Es gibt hier viele Kinder und alle sind freundlich und neugierig. Gewaschen wird sich im Fluss oder unter einem Schlauch. Die Häuser sind häufig nur Hütten. Hier gibt es genau wie in Vietnam viele Handwerker. Jeder bietet am Straßenrand seine Ware an. Häufig sind die Berufe bei uns längst ausgestorben oder industrialisiert wie z. B. Korbflechter oder Schneider. Die Tischler machen hier noch richtige Holzkunstwerke. Das kann man bei uns gar nicht mehr bezahlen geschweige denn könnten die Tischler das gar nicht mehr bauen. Laos ist viel ruhiger als Vietnam. Hier wird nicht ständig gehupt wenn jemand überholt oder von vorne kommt. Hier ist auch kaum Verkehr. Heute hatten wir den ganzen Tag keinerlei Strom. Jetzt geht es gerade wieder. Hier verbringen viele Franzosen ihren Urlaub weil es früher französische Kolonie war. Erstaunlicherweise ist hier vieles nicht nur auf Laotisch beschriftet sondern auch auf Englisch. Laotisch ist uns völlig fremd weil auch die Buchstaben und ihre Schreibweise nichts mit der Unsrigen zu tun haben. Das sollte an Informationen erst einmal wieder genügen. Morgen früh geht’s übrigens mit dem Boot auf dem Nam Ou weiter zur nächsten Station. Es ist jetzt nicht gewiss ob wir in den kommenden Tagen Internet haben werden. Also bitte nicht wundern falls von mir nichts kommt. Alles Liebe….

‎28.01.18 um 12:31 – Carmen Behnke: Hallo aus Nong Khiao. Wir waren den ganzen Tag mit einem Boot auf dem Nam Ou unterwegs. An einem Staudamm mussten wir kurz in einen Transporter und anschließend in ein anderes Boot. Wir fuhren mit einigen Touristen zusammen und unterwegs stiegen immer wieder Einheimische ein und aus. Teilweise war das Boot sehr voll. Unsere Räder und noch zwei weitere fanden auf dem Dach Platz. Ein Schwein kam im Sack mit und ein Huhn im Tuch. Außerdem eine ganze Schulklasse. Man staunt wie viel Platz so ein Boot bietet. Einmal hatte ich dreißig Personen gezählt. Wir kamen an einer wunderschönen Landschaft vorbei, fuhren durch Stromschnellen, sahen viele badende Wasserbüffel, ebenso viele badende Kinder und immer wieder Dschungel. Jetzt sind wir in einem kleinen touristischen Örtchen. Unsere Unterkunft ist einfach aber mit Blick auf den Fluss. Gerade gibt es indisches Essen. Hier in Laos müssen die Frauen weit härter arbeiten als die Männer. Außerdem bekommen sie durchschnittlich 7 Kinder. Entsprechend wimmelt es hier von Zwergen. Aber sie gehen so liebevoll mit ihnen um. Bevor man ein Haus betritt zieht man sich die Schuhe aus. Hier muss man etwas aufpassen weil es hier Schlangen gibt. Als wir heute die Kinder vom Boot ließen sprangen alle zur Seite weil plötzlich eine Schlange durch den Sand schlängelte. Hier in Laos sind erstaunlich viele ältere Touristen unterwegs. 80 Prozent sind Franzosen. Aber auch Deutsche, Kanadier und Belgier trafen wir bereits. So für heute reicht’s ich wünsche euch viel Spass beim Staunen. Alles Liebe

‎29.01.18 um 16:11 – Carmen Behnke: Guten Abend aus Luang Prabang. Wir verliessen heute morgen die ehemalige „Hippie und Opiumgegend der sogenannten Aussteiger“. Und eigentlich wollten wir erst morgen in der sogenannten Tempelstadt ankommen. Doch leider haben wir auf der zweiten Hälfte unseres heutigen Weges keine Unterkunft mehr gefunden. Jetzt haben wir gute 140 Kilometer mit einigen Höhenmetern in den Beinen sitzen. Entsprechend „platt“ sind wir nun auch. Wir sind wieder erst im Dunkeln angekommen. Die Strecke war aber sehr schön und abwechslungsreich. Unserem Fluss „Nam Ou“ sind wir gefolgt. Am Ende traf er auf den Mekong. Der Mekong ist sehr breit und respekteinflößend. Ich habe heute Baumwolle gesehen und eine „Spinnerin“ und eine „Weberin“. Überall sieht man kleine Tempel stehen und auch Mönche findet man häufig. Aus den Familien geht häufig mindestens ein Junge für eine gewisse Zeit zu den Mönchen um dort als Mönch zu leben. Dort gehen sie dann auch zur Schule. Das heißt aber nicht dass sie zeitlebens auch Mönch bleiben. Die Meisten verlassen den Tempel irgendwann und führen ein ganz normales Leben. Morgens laufen die Mönche in langen Reihen an den Häusern vorbei und erbitten ihr Essen. Die Einwohner spenden das Essen. Das ist eine richtige Zeremonie. Morgen erzähle ich euch von unserem Reisbehälter. Das ist auch ein schöner und sehr wichtiger Gegenstand in Laos. Hier isst man übrigens hauptsächlich mit den Fingern. So, zurück zu unserer heutigen Reise. Wir erreichten um kurz nach 19 Uhr das Ziel. Und der Ort ist leider furchtbar überlaufen von Touristen. Trotzdem ist er sehr schön. Gerade kommen wir vom Nacht Markt zurück. Es gibt dort sehr viel schöne Handarbeit zu sehen und kaufen. Auch zum Essen gibt es dort alles was das Herz begehrt. Natürlich ist es in Laos sehr preiswert. Allerdings zahlt man hier im Ort höhere Touristenpreise. So für heute reicht’s. Ich wünsche euch wieder viel Spass beim Lesen…alles Liebe aus der Wärme…

30.01.18 um 10:26 – Carmen Behnke: Guten Morgen ihr Lieben, heute melde ich mich etwas früher. Da wir noch bis übermorgen in Luang Prabang pausieren. Hier gibt es sehr viel zu sehen und nach der langen Tour gestern freuen sich die Beine über etwas Ruhe. Ich wollte euch die Sache mit der Reisdose erzählen. Hier gibt es eine ganz besondere Reissorte. Sie klebt so sehr dass man alles draus formen könnte. Der Reis wird nicht gekocht sondern im Wasserdampf in einer Art Korbgeflecht gegart. Anschließend bekommt jedes Familienmitglied eine Portion davon in seine Reisdose die ja auch ein Korbgeflecht ist mit zur Arbeit oder zur Schule. So wie bei uns jeder seine Tupperdosen mitbekommt. Der Reis wird stets mit den Fingern gegessen. Die ganz kleinen Kinder haben meist einen Reisklumpen in der Hand so wie bei uns die Kleinen ein trockenes Brötchen rumschleppen. Heute morgen sind wir über den Markt geschlendert. Hier gibt es den Brauch dass man sich so Minikäfige mit einem kleinen Vogel drinnen kauft. Irgendwann lässt man sie angeblich als Zeichen der Freiheit fliegen. Ich finde es furchtbare Tierquälerei. Was man hier alles isst…unglaublich. sie fangen alles ein. Vögel, Fledermäuse, Kakerlaken…einfach alles. Beim BBQ knabbern sie auf gerösteten Hühnerkrallen. Ich bin manchmal bestürzt von dieser Esskultur. Außerdem haben wir heute den Königspalast und verschiedene Tempel von außen angesehen. Morgen wollen wir einen von Innen ansehen. Wir befinden uns hier auf einer Halbinsel. Von der einen Seite fließt der Nam Khan und auf der anderen Seite der Mekong. An der Spitze fließen sie zusammen. Nam heißt übrigens Wasser. Wenn wir uns Wasser kaufen verlangen wir auch Nam. Da aus den Leitungen das Wasser nicht grundsätzlich trinkbar ist, putzen wir unsere Zähne stets mit Wasser aus dem Geschäft damit wir keine unangenehmen Nebenwirkungen bekommen. So, dass waren wieder viele Informationen. Habt viel Spaß bis morgen 😘

31.01.18 um 12:46 – Carmen Behnke: Huhu….heute steht alles im Zeichen des Glaubens. Hier leben viele Buddhisten. Entsprechend viele Tempel findet man hier. Heute morgen sind wir um kurz nach fünf aufgestanden um die Almosenprozession der Mönche mitzuerleben. Dabei ziehen alle Mönche in Reihen durch die Straßen und bekommen ihr Essen von den Gläubigen am Straßenrand zugesteckt. Hauptsächlich handelt es sich um Klebereis. Häufig gibt es aber auch andere Dinge…ja sogar Süßigkeiten. Aber es handelt sich ja bei den Mönchen hauptsächlich um Kinder und Jugendliche. Nur einige sind älter. Von den Allmosen leben sie tagsüber. Diese Zeremonie findet täglich statt. Leider sind viele Touristen einfach unangenehm auffällig und stören durch penetrantes Filmen und Fotografieren diese Zeremonie. Außerdem fallen sie immer wieder durch das Tragen unangemessener Kleidung auf. Bevor man einen Tempel betritt müssen Frauen Schultern und Knie bedecken. Außerdem betritt man ihn ohne Schuhe wie auch alle anderen Gebäude bis hin zum Privathaus. Auch vor unserer Unterkunft ziehen wir stets vorher unsere Schuhe aus. Wir haben uns heute einige Tempel und Außenanlagen der Tempel angesehen. Ich persönlich kann mich mit diesem Glauben nicht identifizieren. Er ist mir zu fremdartig. Vieles ist mir zu überladen und zu kitschig. Aber mal ansehen war für mich ok. Wenn man öffentlich als Paar durch die Straßen schlendert, tauscht man generell keine Zärtlichkeiten untereinander aus. Auch Händchen halten gibt es hier nicht. Das fällt mir manchmal schwer. Tja, soweit für heute. Jetzt heißt es wieder packen denn morgen geht es wieder weiter. Wir rechnen noch ungefähr mit einer Woche Laos bis wir wieder nach Vietnam einreisen werden. Viel Spaß beim Lesen

02.02.18 um 10:04 – Carmen Behnke: So…frisch geduscht in einem Bad ohne Dusche und Waschbecken. Es ist ist nur ein Duschkopf vorhanden und ein Hock-Klo. Aber immerhin gefliest. Letzte Nacht war alles nur aus nacktem Zement. Aber eins nach dem Anderen. Wir hatten gestern einen Höllentrip mit unendlichen Anstiegen. Irgendwann kamen wir im Nebel…man sah wirklich gar nichts mehr, kurz vor der Dunkelheit auf 1450 Metern in ein kleines Dorf, wo viele Chinesen auf Montage einen Tunnel bauen, bei denen in einem sogenannten Hotel unter. Stellt euch einfach eine Kunstoffhalle mit kleinen Verschlägen vor. Jeder hört von jedem alles. Aber wir haben in unseren Schlafsäcken vor Erschöpfung bestens geschlafen. Nachdem wir zusammen mit vier weiteren Radfahrern zu Abend gegessen hatten. Das war sehr schön. Alle waren erschöpft und es war sehr kalt dort oben. Dann stellt euch bitte mal die Einheimischen vor. Bekleidet mit Badelatschen und dem was sie gerade so haben…was meist nicht viel ist…in ihren Bretterhütten. Viele saßen davor am Feuer. Einige wuschen sich an der einzigen Wasserstelle im Dorf…kalt. Heute morgen ging es für uns rechtzeitig weiter. Und wieder war die Strecke grenzwertig. Auch das Kartenmaterial und die Kilometerangaben am Straßenrand sind unzuverlässig. So weiß man nie wann man ankommt. Zum Glück waren wir heute etwas früher am Ziel…wobei wir hier eigentlich gestern Abend angekommen sein wollten. Aber da hat uns die Karte völlig falsche Informationen gegeben. Nun müssen wir heute genau überlegen wie es morgen weiter gehen soll. Eventuell greifen wir auf den Bus zu. Ich muss ehrlich sagen dass ich hier und da durchaus einen gewissen Schmerz verspüre und sogar Romain ließ mich wissen, dass es anstrengend sei…oh Wunder😳. Also a euch viel Spass beim Schmökern. Alles Liebe aus 1375 Metern 😘

03.02.18 um 13:19 – Carmen Behnke: Guten Abend aus Phonsavan. Heute haben wir uns eine Bustour gegönnt weil weder Romains Hintern noch meine Beine in der Lage waren zu radeln. Heute morgen war es regnerisch, total zugezogen und richtig kalt. Um 11 Uhr ging der Bus. Alles was mit sollte an Gepäck inklusive unserer Räder kam aufs Dach. Schnell saßen knapp 20 Mann in dem kleinen Gefährt und los ging es gut vier Stunden durch wirklich bitterste Armut. Es war so kalt und wie viele Kinder liefen barfuß in Lumpen herum und auch die Erwachsenen hatten nicht viel mehr an. Wir fuhren die ganze Zeit auf 1000 bis 1450 Höhenmetern. Hier besitzt niemand eine Heizung oder warmes Wasser. Erst war die Landschaft sehr grün und Dschungelmäßig bewachsen.dort war praktisch keine Landwirtschaft möglich und umso primitiver waren die Behausungen. Irgendwann wurde es trockener und es erstreckte sich eine Hochebene. Hier wurde Reis angebaut, Rinder gezüchtet, Büffel gehalten und Gartenbau betrieben. Gleich waren die Behausungen besser gebaut. Jetzt befinden wir uns in einer wirklich nicht besonders schönen Stadt. Aber es gibt in der Umgebung das Tal der Tonkrüge was wir uns ansehen möchten. Außerdem befinden wir uns hier in der meistbombardierten Gegend während des Krieges. Hier darf man möglichst nicht die Wege verlassen weil noch immer überall Blindgänger lauern. Darüber gibt es hier ein Informationszentum was wir besichtigen werden. In der Stadt spürt man sofort die Nähe zu Vietnam. Hier wird viel Handel betrieben und die Stadt wirkt sehr vietnamesisch So genug für heute. Alles Liebe

04.02.18 um 12:17 – Carmen Behnke: Hallo…bei euch sieht es ja schön aus. Hier ist es auch viel kälter als eigentlich. Das erzählte uns heute morgen ein älterer Guide im Tal der Tonkrüge in perfektem Deutsch. Er hat seinerzeit in Ostberlin studiert. Ja im Tal der Tonkrüge war es sehr interessant. In diese Krüge wurden zwischen 500 vor und 500 nach Zeitrechnung die Toten hineingelegt bis nur noch die Knochen drinnen waren. Die Knochen wurden anschließend verbrannt. Außerdem ist im Tal der Tonkrüge ein kleines Kriegsmuseum mit interessanten Informationen auch auf englisch. Und es befinden sich viele Bombenkrater und Schützengräben sowie eine Höhle dort. Die Tour haben wir mit dem Rad unternommen. Eigentlich wollten wir auch eine Seidenproduktion besichtigen aber heute ist leider Sonntag und sie ist geschlossen. Jetzt haben wir uns für morgen früh um 8 ein Busticket bis fast zur Grenze nach Sam Neua gekauft. Es wird eine 10 stündige Tour durch das Hochgebirge werden. Dazu haben wir uns entschlossen damit wir noch einige Zeit in Vietnam haben werden. Die Zeit läuft ja so unheimlich schnell. Gerade haben wir uns auf dem Markt mit Proviant eingedeckt und zufällig ein deutsches Ehepaar wieder getroffen dass wir vor einer knappen Woche schon einmal gesehen haben. Das war sehr nett. Heute Nacht scheint es nicht ganz so kalt zu werden. Die letzte Nacht war hart bei 6 Grad ohne Heizung. Romain hat heute morgen mit Mütze geduscht. Ich hab es im Sauseschritt ohne Mütze erledigt. Aber gemütlich war das wirklich nicht. So jetzt heißt es wieder Sachen packen. Ich wünsche euch wieder viel Spass beim Lesen…

05.02.18 um 12:58 – Carmen Behnke: Hallo ihr Lieben, nach knapp acht Stunden Minibustour durch höchste Berge und eisige Kälte sind wir am heutigen Ziel angekommen. Wir haben zur Zeit noch ein Grad und nirgends eine Heizung. Alle stehen überall draußen versammelt an kleinen Feuern und wärmen ihre Barfüße. Ich kann gar nicht glauben wie die Menschen hier frieren müssen. Wir frieren auch sehr…haben aber viel bessere Kleidung. Im Zimmer haben wir extra Wolldecken bekommen. Dieser Ort ist recht klein und für uns nur als Zwischenstopp gedacht. Heute möchte ich euch erzählen dass die Kindersterblichkeit hier sehr hoch ist genau wie der Analphabetismus. Die ärztliche Versorgung ist miserabel. In die Schule gehen längst nicht alle Kinder. Im Schnitt dann auch nur vier Jahre. Ausbildungen gibt es praktisch nicht und Industrie gibt es hier gar nicht. Es muss praktisch alles importiert werden. Man merkt häufig die Einfachheit der Bevölkerung. Dieses Land ist auch durch den Vietnamkrieg stark gebeutelt. Ich hatte euch gestern Fotos von Karten gesendet worauf ihr sehen könnt wie viele Bomben in Laos gefallen sind. Es sind mehr Bomben in Laos gefallen als im zweiten Weltkrieg in Deutschland und Japan zusammen. Die Vietnamesen haben sich während des Krieges in den laotischen Bergen versteckt. Daraufhin hat Amerika auch Laos bombardiert. Das lernen wir leider überhaupt nicht im Geschichtsunterricht. Noch immer geschehen alle acht Minuten Unfälle durch Blindgänger hier in Laos. 40 Prozent der Unfälle passiert den Kindern. Es ist so unglaublich. Aber jetzt habt ihr wieder viel gelernt. Jetzt esse ich erstmal. Euch viel Spass beim Lesen…alles Liebe aus der Kälte…

‎06.02.18 um 11:20 – Carmen Behnke: Hallo aus der Höhlenhauptstadt von Laos während des Krieges. Von Viang Xai aus regierte man 9 lange Jahre von 1964 bis 1973 das ganze Land aus einem Höhlensystem heraus. Dort lebten teilweise über 20000 Menschen drinnen. Heute haben wir einen Teil dieser Höhlen besichtigt. Es war hochinteressant und sehr informativ. In den Höhlen war alles. Läden, Schulen, Krankenhäuser, Regierungssitz, Schlafsäle…einfach alles. Gekocht wurde früh morgens und spät abends vor der Höhle im Dunkeln. Auch die Feldarbeit wurde nur im Dunkeln erledigt. Man kann sagen, pro laotischer Einwohner viel damals eine Tonne Bombenmaterial. Es stirbt immer noch eine Person täglich durch Blindgänger. Damals konnten die Laoten nicht begreifen warum. Die hatten nie etwas von den USA gehört weil Laos hauptsächlich aus Naurvölkern und Bauern bestand. Was ich so schlimm empfinde ist, dass wir auch so dumm gehalten werden. Wir lernen es nicht in der Schule und auch erhalten wir durch die Medien darüber gar keine Informationen. Das Problem ist hier immer noch allgegenwärtig und bei uns weiß kein Mensch davon. Morgen geht es ca. 60 Kilometer auf schlechter Straße zur Grenze. Dort planen wir zu übernachten. Ab übermorgen sind wir dann auf dem Rückweg durch Vietnam Richtung Hanoi. Es ist hier leider immer noch zu kalt. Hoffentlich wird es langsam wieder milder. Von hier viel Spaß beim Lesen…liebste Grüße 😘

‎07.02.18 um 11:05 – Carmen Behnke: Hallo aus Vietnam. Heut hatten wir nach einem leckeren Frühstück beim Inder eine tolle und abwechslungsreiche Tour zur Grenze. Wir fuhren durch breite Täler voller Reisplantagen und schönen Karstfelsen. Es gab ganz viel zu sehen. Erst war es noch sehr kühl aber später wurde es etwas milder. Die Straße war jedoch komplett sehr abenteuerlich und sportlich zu fahren. Immer wieder waren es Schotterpisten. Dazu seht ihr ja die Bilder. Die Menschen, vor allem die Kinder auf der Laotischen Seite feuerten uns regelrecht an. Das war einfach schön. An der Grenze lief alles reibungslos. Direkt nach der Grenze haben wir heute ein Zimmer genommen. Nun mussten wir gerade erstmal unsere Räder reinigen, die Ketten ölen und die Gänge neu einstellen. In Vietnam sind die Menschen leider sehr scheu und längst nicht so offen und hilfsbereit wie in Laos. Hier ist es viel schwerer zu erklären was man möchte und häufig sagen sie nur „no“ und gehen weiter ihren Aufgaben nach. Langsam erreichen wir wieder eine flachere Gegend. Wir befinden uns jetzt nur noch auf 400 Höhenmetern. Es ist auch etwas milder jetzt. Endlich hatten wir mal eine warme Dusche…himmlisch. Morgen und übermorgen werden wir jeweils gut 100 Kilometer radeln müssen. Darum geht es rechtzeitig schlafen und es wird früh gestartet. Euch wieder viel Spaß beim Lesen….liebste Grüße 😚…achso noch mal zur Info. Vor zwei Jahren ist Obama nach Laos gereist und hat einiges finanziell dazu beigetragen dass die Organisation die für die Entschärfung der Blindgänger zuständig ist weiter arbeiten konnte. Aber das war eben nur ein Teil. Es fehlt noch immer an finanziellen Mitteln. Die Organisation die dafür zuständig ist heißt „uxo“. Falls Interesse besteht kann man das sicher mal googeln.

08.02.18 um 11:57 – Carmen Behnke: Hallo aus einem Durchgangsort wo wir nur pausieren weil die nächste Unterkunft noch 50 Kilometer weiter gewesen wäre. Wir hatten heute die letzten Berge zu bewältigen und Gute 80 Kilometer Fahrt hinter uns. Darum haben wir uns das Weiterfahren nicht mehr getraut. Das Zimmer kann man als „Absteige“ bezeichnen und der Ort ist wirklich nicht schön. Aber heute geht’s früh ins Bett und im Dunkeln sieht man zum Glück nichts von all dem. Morgen wird es hoffentlich eine flache Strecke…denn vor uns liegen 140 Kilometer. Die heutige Strecke war recht abwechslungsreich und hübsch anzusehen. Überall wurden Reissetzlinge in die Felder gesteckt. Es war heute nicht warm aber fast alle Feldarbeiter liefen barfuß in den Wasserterrassen herum. Ich habe beim Zusehen schon gefroren. Außerdem wird allerorts geschmückt und vorbereitet für das Neujahrsfest das kommende Woche stattfindet. In den Straßen hängen überall Fähnchen. Außerdem schlagen die Leute einen bestimmten Baum der gerade in der Blüte steht. Den nehmen sie mit nachhause. Überall werden Schweine, Rinder und Hühner geschlachtet. Ich muss euch sagen dass ich inzwischen keine große Lust mehr auf Reis habe. Das große Problem ist auch, dass wir kein Fleisch essen. Damit haben die Vietnamesen große Probleme. An Gemüse fehlt es hier auf dem Lande an Auswahl. Wir essen häufig nur Reis und so eine Art Bärlauch dazu. Wenn man den ganzen Tag gearbeitet hat ist das natürlich ein eher spartanisches Mahl. Frühstück kennen sie hier gar nicht. Das war in Laos bedeutend schöner. Jetzt essen wir morgens einfach Kekse im Zimmer und trinken ein Tetra Pack Kakao. So…genug Informationen für heute. Morgen dann aus dem Flachland. Mehr Zeit war heute nicht…Alles Liebe

09.02.18 um 12:58 – Carmen Behnke: Hallo aus Tam Coc. Nach guten 130 Kilometern sind wir an unserer letzten Radelstation angekommen. Nach Hanoi werden wir in zwei Tagen mit dem Bus fahren weil der Verkehr hier zu stark ist. Insgesamt sind wir wohl ungefähr 1200 Kilometer geradelt. Allerdings kommen noch etliche Höhenmeter hinzu. Hier in Tam coc ist es sehr touristisch. Bekannt ist der Ort durch die sogenannten „Fußpaddler“. Aber mehr dazu gibt es morgen. Heute möchte ich euch von unserer Abschlussroute raus aus den Bergen gen Meer erzählen. Wir sind sehr früh gestartet weil wir einige Kilometer vor uns hatten. Wieder gab es nur ein spartanisches Frühstück in unserem Zimmer. Die ersten Kilometer waren noch frisch. Aber später wurde es richtig schön und wir konnten endlich wieder kurze Hosen tragen. Überall wurden wir begrüßt. Wo wir pausierten standen zig Kinder um uns herum und probierten die ein oder andere gelernte englische Vokabel an uns aus. Wir fuhren durch große Obstplantagen…vor allem gab es heute neben viel Reis auch Ananas und Zuckerrohr. Irgendwann waren die Wege eben und wir kamen gut voran. Zeitweise sind wir Nebenstrecken gefahren. Dort waren teilweise große Schlaglöcher oder auch mal gar kein Asphalt mehr. Aber es war trotzdem alles gut machbar. Zum Schluß mussten wir noch ein Stück Stadtautobahn fahren. Das war gefährlich und wir mussten ordentlich aufpassen. Hier im Ort haben wir einen gemütlichen Bungalow mit Blick auf den See. Wir hoffen dass wir heute Nacht mal keinen Hahn in der Nachbarschaft haben werden. Wir sind jetzt erstmal was essen. Ich hab sooo Hunger. Ich wünsche euch wieder viel Spaß beim Lesen…alles Liebe

10.02.18 um 11:28 – Carmen Behnke: Hallo aus Tam Coc. Dieser Ort wird auch als die Halongbucht im Landesinneren oder als trockene Halongbucht beschrieben. Auch hier sind viele steile Felsen in der Landschaft verteilt. Ansonsten ist es hier etwas mit Venedig vergleichbar. Viele Wasserarme ziehen sich durch die Landschaft und die sogenannten Fußpaddler in ihren Booten fahren mit den vielen Touristen hier im Ort durch die Felsen und auch Höhlen. Es ist eine ganz erstaunliche Gegend. Leider war es heute wieder sehr bezogen und auch nicht warm. Trotzdem sind wir heute morgen mit unseren Rädern zu einer Pagode und besichtigten diese. Anschließend fuhren wir mit einem dieser Boote. Leider sind die Bootsbetreiber sehr aufdringlich und man muss wirklich handeln. Der Paddler bekommt jedoch nur einen ganz geringen Teil des Geldes. Er besteht also anschließend auf ein Trinkgeld und versucht unterwegs noch irgendwelche Souvenirs heimlich zu verkaufen. Das fand ich persönlich nicht gut. Trotzdem war die Tour sehr schön. Wir sind sogar durch zwei stockfinstere Höhlen gepaddelt worden. Heute Nachmittag sind wir zum Abschluss nochmal durch die Reisfelder geradelt. Hier werden viele geführte Radtouren angeboten für die Touristen. Wir sind aber gemütlich für uns geradelt. Hier ist es um die Felsen absolut eben und für jeden ganz leicht zu fahren. Für unsere Beine war das heute eine Wohltat. Jetzt sitze ich auf der Terrasse mit Blick auf den Wasserarm. Richtig schön…aber warm verpackt. Viel Spaß beim Schmökern 😘

‎11.02.18 um 15:39 – Carmen Behnke: Guten Abend aus Hanoi. Heute Vormittag haben wir uns mal die Arbeit gemacht, alles zu dokumentieren was wir im Gepäck haben. Mittags aßen wir noch im Ort und warteten anschließend auf den gebuchten Bus nach Hanoi. Nach eineinhalb Stunden Verspätung wurden wir mit einem Auto zu einem Bus gebracht und mit dem ging’s im Schneckentempo nach Hanoi. Unterwegs meinte der Busfahrer er müsste versuchen uns noch mehr Geld abzunehmen. Das kommt hier leider regelmäßig vor. Abends in der Fahrradgarage hatten wir nochmal Diskussionen. Sie sehen Touristen und meinen sie können drauflos kassieren. Das stimmt mich immer etwas säuerlich. Nachdem wir am Busbahnhof ausgestiegen und unsere Räder gerüstet hatten ging es durch den Feierabendverkehr. Da hier das große Neujahrsfest vor der Tür steht herrscht Ausnahmezustand. Überall sind Straßen gesperrt. Es stehen Straßenbands, Showgruppen, Kinderspiele, Verkaufsstände und viele viele Menschen überall. Wir fanden ein Zimmer und schlendern jetzt durchs Geschehen. Die Stimmung ist sehr schön und ausgelassen. Heute befinden sich auch sehr viele Europäer hier. Viel Spaß beim Schmökern…alles Liebe

‎12.02.18 um 17:08 – Carmen Behnke: Hallo ihr Lieben, leider sind die letzten vier Wochen wieder viel zu schnell vergangen. Wir haben nun all unser Gepäck aufgegeben und in 45 Minuten ist Boarding. In Hamburg werden wir morgen um 13 Uhr deutscher Zeit landen. Einen Abschlussbericht gibt es von Zuhause. Alles Liebe und bis in Kürze in der Heimat 😘

‎13.02.18 um 19:56 – Carmen Behnke: Guten Abend aus Kellenhusen. Nach gut 24 Stunden Rückreise sind wir wohlbehalten in der Heimat angekommen. Die vergangenen Wochen waren intensiv in jeder Hinsicht. Körperlich bin ich durch das hohe Gebirge zeitweise an meine Grenzen gestoßen. Psychisch hatte ich oft viel zu verarbeiten. Da waren die vielen frierenden Menschen die nicht einmal Schuhe oder Strümpfe besitzen. Da war oft äußerste Armut, die fehlende Bildung und Krankenversorgung. Die geschichtliche Vergangenheit, die die Menschen uns gegenüber zu Recht immer noch skeptisch und verschlossen sein lässt. Die völlig andere Mentalität und Esskultur und der uns völlig fremde Glaube. Ich kann nur sagen dass ich tief bewegt bin und uns allen nicht ansatzweise bewusst ist wie gut wir das alle haben. Bitte nehmt das nicht als selbstverständlich hin. Dafür müssen wir so dankbar sein. Denn schaut mal in euren Kleidern nach…wie oft steht darin: Made in Vietnam. Und wie oft habe ich die Kinder dort schuften sehen damit wir günstige Kleidung tragen können. Sie selbst haben nicht mal Schuhe. Erklärt es auch mal euren Kindern. Nur wenn wir anfangen etwas an unserem Billigkonsum zu ändern haben auch die Ärmeren irgendwann bessere Chancen. Ich bin der Meinung dass wir keine besseren Menschen sind und sie nicht Menschen zweiter Klasse sein dürfen. Jeder Mensch ist gleich. In diesem Sinne…es hat mich gefreut mit euch auf Reisen gewesen sein zu dürfen. Alles Liebe…eure Carmen mit Romain…PS: Jetzt gehen wir an die Arbeit damit wir euch einen Filmvortrag zeigen können im Sommer im Kursaal